Natasha A. Kelly: Schwarzer Feminismus. Grundlagentexte

06. Februar 2020 (Do) - 19.00 - 22.00 Uhr

– Buchvorstellung, Film screening und Diskussion mit der Autorin –

Film screening von „Sojourner“, Cauleen Smith (2018, 22′)

Moderation: Dr. Maxa Zoller, Leitung des Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln

Als Sojourner Truth im Jahr 1851 während ihrer Rede auf einem Frauenkongress in Akron (Ohio), die Frage stellte, ob sie denn keine Frau* sei, brachte sie eine Debatte ins Rollen, deren Ausmaß nicht abzusehen war. Sie hatte nämlich gleichermaßen weiße Frauen* für den Rassismus und Schwarze Männer für den Sexismus kritisiert, den sie Schwarzen Frauen* jeweils entgegenbrachten. Erst Ende des 20. Jahrhunderts, also fast 150 Jahre später, erhielt diese spezifische Form der Mehrfachdiskriminierung einen Namen. Kimberlé Crenshaw prägte 1989 den Begriff der „Intersektionalität“, der seitdem aus feministischen Diskursen nicht mehr wegzudenken ist.

Die Autorin, Kurtorin und Wissenschaftlerin Natasha A. Kelly gibt am Donnerstag, den 6. Februar (19 Uhr, Aula), an der Kunsthochschule für Medien Köln anhand ihrer Publikation „Schwarzer Feminsimus. Grundlagentexte“ Einblick in Terminologien und Entwicklungen des Schwarzen Feminsimus bis heute. Ihr Buch dokumentiert die Kontinuität dieser feministischen intellektuellen Tradition anhand ausgewählter Texte von Sojourner Truth, Angela Davis, The Combahee River Collective, bell hooks, Audre Lorde, Barbara Smith, Kimberlé Crenshaw und Patricia Hill Collins. Sie erscheinen erstmals in deutscher Sprache und werden so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.

Dem Vortrag folgt der Film „Sojourner“ von Cauleen Smith (2018, 22’). Mit einer Versammlung von in afrofuturistischen Kostümen ausstaffierten schwarzen Frauen re-inszeniert Smith ein ikonisches Männerfoto, das Billy May 1966 für das Life Magazine aufgenommen hatte, und integriert Zitate der Afro-Amerikanischen Freiheitsbewegung: Allen voran die weltberühmte Abolitionistin Sojourner Truth, die dem Film seinen Titel leiht, aber auch viele andere wichtigen Personen und Orte des Civil Rights Movements, wie Rebecca Cox Jackson, Gründerin der ersten schwarzen Shakergruppe, den Jazzmusiker*innen Alice Coltrane und Sun Ra sowie Sabato Rodias „Towers in Watts“, Los Angeles, einen symbolischer Ort in der Geschichte des Rassismus in den U.S.

Dr. phil. Natasha A. Kelly ist Kommunikationssoziologin mit den Forschungsschwerpunkten Post-/Kolonialismus und Feminismus. Die in London geborene und in Deutschland sozialisierte Autorin, Dozentin und Kuratorin hat an zahlreichen Institutionen in Deutschland und Österreich gelehrt und geforscht. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin (2010 – 2013) setzte sie sich v.a. mit der Verwobenheit von Wissen, Macht und Körper auseinander. In ihren Publikationen „Afroism“ (2008), „Sisters & Souls“ (2015), „Afrokultur“ (2016) u.a. und in ihren künstlerischen Arbeiten „EDEWA“ (2010 – heute), „Giftschrank“ (Deutsches Historisches Museum, 2016/2017, Museum Schöneberg 2017) und „African_Diaspora Palast“ („Weltausstellung_Reformation“, Wittenberg 2017) u.a. verbindet sie Theorie und Praxis an der Schnittstelle von Wissenschaft, Kunst und Gesellschaft. Zudem ist sie seit vielen Jahren in der Schwarzen deutschen Community engagiert. Neben ihrer beratenden Tätigkeit für verschiedene Kunstinstitutionen war sie von 2015 – 2018 die künstlerische Leiterin der Theaterreihe»M(a)y Sister« am HAU Hebbel am Ufer Theater in Berlin. Ihr preisgekrönter Debütfilm „Millis Erwachen“ (2018) wurde von der 10. Berlin Biennale in Auftrag gegeben und in nationalen und internationalen Kontexten gezeigt. Die gleichnamige Publikation ist beim Orlanda Frauenverlag Berlin erhältlich. Ihr jüngstes Buch ist eine Sammlung deutscher Übersetzungen der Grundlagentexten Schwarzer Feministinnen (von Sojourner Truth bis Kimberlé Crenshaw) und das erste Buch in einer neuen Reihe von Feminist Readers of Color im Unrast Verlag Münster. http://natashaakelly.com/?lang=de

Veranstalterin:
Internationalen Frauenfilmfestival Dortmund | Köln, www.frauenfilmfestival.eu
in Kooperation mit der Gleichstellung der KHM, www.khm.de/gleichstellung/

Ansprechpartnerin:
Dr. Juliane Kuhn, Gleichstellungsbeauftragte der KHM, Tel.: 0221 / 20189 135, E-Mail: juliane.kuhn@khm.de

Kosten / Anmeldung:
Eintritt frei.

Veranstaltungsort:
Kunsthochschule für Medien (KHM), Aula, Filzengraben 2, 50676 Köln, Lageplan