Deutscher Akademikerinnenbund

Deutscher Akademikerinnenbund

1926 als Dachverband akademischer Frauenvereine gegründet, setzt sich der DAB bis heute unermüdlich für die tatsächliche Gleichstellung von Frauen im Hochschulwesen sowie in Politik, Beruf und Gesellschaft ein.

Der unabhängige, überparteiliche und überkonfessionelle Verband von Frauen mit Hoch- oder Fachhochschulausbildung aller Berufsrichtungen besteht aus mehr als 20 Regionalgruppen sowie Einzelmitgliedern in ganz Deutschland. Als Young Members können sich studierende und studierte Frauen von 20-40 Jahren sowohl online als auch in regionalen Gruppen vernetzen.Der DAB ist tätig für:

  • die tatsächliche Gleichstellung von Frauen und Männern in Politik, Beruf und Gesellschaft,
  • die eigenständige Alterssicherung von Frauen,
  • die Förderung von Frauen für Führungspositionen,
  • die Unterstützung von Studentinnen und Doktorandinnen durch erfahrene Frauen verschiedenster Berufsgruppen,
  • die Förderung wissenschaftlicher Arbeit von Frauen und über Frauen,
  • familienfreundliche Arbeitsbedingungen mit dem Ziel einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und Männer,
  • die Motivation von Mädchen und jungen Frauen für Berufe in den Bereichen Naturwissenschaft, Informationstechnologie, Informationswissenschaft und Technik,
  • die Vernetzung mit engagierten Frauen im In- und Ausland,
  • die Zusammenarbeit auf europäischer und internationaler Ebene.

Aktivitäten

Der DAB agiert interdisziplinär, ist an keinen Beruf, keine Partei, keine Religion, keine Nationalität und an kein Lebensalter gebunden. Er veranstaltet Tagungen zu aktuellen gesellschaftspolitischen und wissenschaftlichen Themen, beteiligt sich an Kampagnen und Projekten und veröffentlicht Stellungnahmen. In seinem Arbeitskreis Denkfabrik – Projekt Zukunft sammelt er mit fachkundigen Mitgliedern Ideen zur Lösung von Problemen, die über das Tagesgeschehen hinausgehen.

Die Regionalgruppen des DAB sind in 25 deutschen Städten vertreten. Die Gruppenmitglieder treffen sich regelmäßig, mischen sich ein in Frauen-, Hochschul- und Kommunalpolitik, fördern und unterstützen sich gegenseitig, indem sie sich vernetzen, diskutieren, sich austauschen, ihr Wissen und ihre Erfahrungen teilen und verständnisvoll miteinander umgehen. Sie gestalten und nehmen Einfluss durch ihren Einsatz für das Gender-Mainstreaming-Prinzip, durch Vorträge, Podiumsdiskussionen, öffentliche Stellungnahmen und Teilnahme an Veranstaltungen zu frauenspezifischen Themen. Die Gruppenmitglieder unterhalten Verbindungen zu verschiedenen Verbänden und Gremien, haben Vorbilder und Mentorinnen im DAB, feiern und pflegen ihre Kontakte auch auf privater Ebene.

Auf Bundesebene arbeitet der Arbeitskreis Frauen Naturwissenschaft Technik (FNT) seit mehr als 20 Jahren für die Erhöhung der Akzeptanz von Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen in Industrie und Gesellschaft und die Förderung des Interesses von Mädchen für Naturwissenschaft und Technik schon ab dem Kindergarten. Ein Förderausschuss unterstützt Akademikerinnen jeglicher Fachrichtung durch einen Beitrag zu den Druckkosten wissenschaftlicher Publikationen und würdigt ihre Leistungen durch Sichtbarmachung, auch als Vorbilder für die nächste Mädchengeneration.

Publikationen

Als einzigen Frauenverband gibt der DAB eine eigene wissenschaftliche Publikationsreihe heraus. Sie bietet Studentinnen, Promovendinnen und Wissenschaftlerinnen die Möglichkeit, ihre Forschungsarbeiten nach Prüfung durch den Förderausschuss in einem wissenschaftlichen Kontext vorzustellen.

Die Verbandszeitschrift Konsens erscheint vierteljährlich und die Website informiert nicht nur über den Verband selbst, sondern veröffentlicht Empfehlungen zu Büchern aus weiblicher Feder und bringt Informationen für (angehende) Akademikerinnen von der Studienwahl bis zu Stellenangeboten.

Kontakt

Ansprechpartnerinnen für die Rheinschiene:

Dr. Brigitte Witter
Fröbelstr. 76, 50767 Köln
E-Mail: b.witter@gmx.de

Ute Schelleis
Im Erlenbusch 9, 53127 Bonn
Tel.: 0228 / 283190, E-Mail: ute.schelleis@netcologne.de

Vernetzung

Der Deutsche Akademikerinnenbund ist mit seiner jeweiligen Ebene in folgenden Frauenorganisationen Mitglied:

Geschichte

Was uns heute so selbstverständlich erscheint, dass Frauen an deutschen Hochschulen studieren, musste hart erkämpft werden. So errichtete 1850 der „Hamburger Bildungsverein Deutscher Frauen“ eine „Hochschule für das weibliche Geschlecht“. 1888 reichte der Allgemeine Deutsche Frauenverein eine Petition beim preußischen Abgeordnetenhaus ein, um die Zulassung von Frauen zum Medizinstudium und zur wissenschaftlichen Lehrerinnenausbildung zu erwirken. Im gleichen Jahr forderte der Frauenverein ‚Reform‘ die Zulassung zu allen Fächern. Leider ohne Erfolg. Die Frauen gingen daher pragmatisch vor und erwirkten einzelne Ausnahmegenehmigungen. Ab 1896 wurden Frauen in Preußen zumindest als Gasthörerinnen zugelassen. 1900 machte dann Baden den Anfang und gewährte den Frauen die volle Immatrikulation an seinen Hochschulen und Universitäten, gefolgt von Bayern (1903), Württemberg (1904), Sachsen (1906), Thüringen (1907), Hessen (1908), Preußen (1908), Elsass-Lothringen (1908/09), Mecklenburg (1909). Mit dem „Verband der Vereine studierender Frauen Deutschlands“ entstand 1906 eins der Gründungsmitglieder des Deutschen Akademikerinnenbundes, 1914 der „Deutsche Verband akademischer Frauenvereine“ als weiteres. Nachdem Frauen 1920 an deutschen Universitäten und Hochschulen zur Habilitation zugelassen worden waren, erhielten Dr. Mathilde Vaerting und Dr. Margarete von Wrangell 1923 als erste eine ordentliche Professur.

Als der Deutsche Akademikerinnenbund 1926 als Bund der Akademikerinnen auf Anregung von Marie Elisabeth Lüders in Berlin gegründet wurde, gehörte Margarete von Wrangell zusammen mit Agnes von Zahn-Harnack, Ilse Szagunn und Marie Elisabeth Lüders dem ersten Vorstand an. Ziel war es, „die deutschen Akademikerinnen zur Sicherung des Einflusses und der Geltung der akademisch gebildeten Frauen im deutschen Kulturleben, zur geistigen und wirtschaftlichen Förderung und zur Vertretung ihrer beruflichen Interessen zusammenzuschließen“. Der Verband bestand aus den akademischen Frauenvereinen, die in Deutschland bereits existierten: der Deutsche Philologinnenverband, der Bund deutscher Ärztinnen, der Deutsche Juristinnenverein, der Hochschuldozentinnen-Verband, der Verband der Studentinnenvereine und die Vereinigung der Nationalökonomminnen Deutschlands. Einzelmitgliedschaften waren ebenfalls möglich. 1927 hatte der DAB 3815 Mitglieder, darunter z.B. auch Prof. Dr. Lise Meitner. Noch im Gründungsjahr wurde der DAB Mitglied der International Federation of University Women (IFUW) und begann sogleich, sich dort zu engagieren. Außerdem erarbeitete der Verband eine Tarifordnung für „die Honorierung von Vorträgen von Akademikerinnen“ und richtete Tagesheime für Studentinnen ein.

1933 wurde das „Reichsgesetz gegen die Überfüllung der Schulen und Hochschulen“ erlassen, demnach der Anteil der Studentinnen an der gesamten Studentenschaft 10 % nicht überschreiten durfte. Der Vorstand des DAB trat zurück. 1934 gelang es noch, den ersten Band der „Frauenfrage in Deutschland“, einer Literatursammlung über die Frauenbewegung und ihre Strömungen seit 1790, herauszubringen. 1935 wurden Frauen aus Richteramt und Anwaltschaft entlassen und ihnen Beschäftigungen als Büro-Hilfskräfte angeboten. Als der DAB im selben Jahr dem „Deutschen Frauenwerk“ unterstellt wurde, löste er sich auf. Die Zahl der Studentinnen ging von 18.375 im Jahr 1932 auf 5.815 im Jahr 1939 zurück.

Auf Betreiben von Marie Lüders und Agnes von Zahn-Harnack wurde der Deutschen Akademikerinnenbund 1949 neu gegründet. Die IFUW reaktivierte die Mitgliedschaft des DAB. Damit war dieser Verband eine der ersten Vereinigungen, die nach dem Zweiten Weltkrieg wieder internationale Kontakte knüpfen konnten. 1959 wurde Band 2 der Bibliographie „Die Frauenfrage in Deutschland“ herausgebracht. Er umfasst das Schrifttum der Jahre 1931-1955. 1961 wurde auf Drängen der Frauenverbände Dr. Elisabeth Schwarzhaupt (im DAB seit 1929) in das Kabinett Adenauer berufen und damit zum ersten Mal eine Frau Bundesministerin. 1962 trat der DAB erfolgreich Bestrebungen entgegen, ein Pflichtdienstjahr für Frauen vor Beginn des Studiums einzuführen, um den starken Andrang zu den Universitäten zu vermindern. 1963 richteten DAB-Mitglieder an einigen Universitäten spezielle Beratungsstellen für Studentinnen ein, die später institutionalisiert wurden. Ende der 60er Jahre setzte sich Dr. Erna Scheffler (Bundesrichterin von 1951–1961) maßgeblich dafür ein, dass Frauen nicht mehr gezwungen werden konnten, früher als Männer aus dem Beruf auszuscheiden. Auch auf internationaler Ebene war der DAB unvermindert aktiv. So erreichte er, dass die UNESCO in ihrem Programm für 1979/80 der „Berufstätigkeit der Frau nach der familienbedingten Phase“ besondere Aufmerksamkeit schenkte.

1981 waren ca. 40 % der an einer deutschen Hochschule Studierenden Frauen. Bei den Hochschulassistenten waren sie jedoch nur mit 8 % und bei den Professoren mit 5,2 % vertreten. Auf seiner Jahrestagung 1984 sprach sich der DAB folglich für Quotierungen aus, weil sich die vorhandenen Qualifikationen alleine als nicht ausreichend erwiesen hatten, um die strukturelle Benachteiligung von Frauen abzubauen. 1985 enthält das novellierte Hochschulrahmengesetz (HRG) eine Klausel, welche die Hochschulen anweist, auf die Beseitigung der für Wissenschaftlerinnen bestehenden Nachteile hinzuwirken. An der Aufnahme dieses Passus in das Gesetz war der DAB maßgeblich beteiligt. In ihrem Festvortrag auf der DAB-Tagung 1986 in Berlin unterzog DAB-Mitglied Rita Süssmuth (damals Bundesministerin) die Koedukation einer kritischen Prüfung. 1990 fand der erste Mädchen-Technik-Tag im Deutschen Museum in München statt, initiiert von Maren Heinzerling aus dem DAB-Arbeitskreis FNT und unter Beteiligung namhafter Hochschulen und Unternehmen. Zu seinem 70jährigen Bestehen präsentierte 1996 der DAB eine Poster-Ausstellung „Frauen machen Geschichte“ mit 12 Portraits bedeutender Mitglieder darunter auch Lieselotte Funcke und Elisabeth Noelle-Neumann. Auf nachhaltigen Druck der akademischen Frauenverbände und weiblicher Bundestagsabgeordneter werden in die 4. Novelle des Hochschulrahmengesetzes Ergänzungen aufgenommen, welche die Erfüllung des Gleichstellungsauftrages in die Bewertungskriterien der Hochschulen bei der Vergabe von staatlichen Mitteln einbeziehen.

Dazu auch im Internet: